über…

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Eine ganze Welt hat sich vor mir geöffnet, als ich zu lesen anfing.

Ich lebe seit vier Jahren in Deutschland. Seit vier Jahren habe ich vergessen, dass meine größte Leidenschaft das Lesen ist. Ich habe es vergessen, weil ich einfach froh war, als ich vier Brötchen zum Frühstück ohne Zungenbrechen kaufen konnte oder den Arbeitstag überleben gehabt habe, ohne todmüde ins Bett zu fallen.

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DAMALS…

Zu Hause habe ich bis die letzte Minuten gelesen, habe versucht Bücher mitzunehmen – mit mehr oder weniger Erfolg, da wir auf dem Zug mit unseren angepackten Koffern, in dem unsere ganze Klamotten, die für den bayerischen Herbst zu kalt waren, eine halbe Küche und Haushalt eingepresst waren und für Bücher nur wenig platz blieb, wie Wanderzigeuner aussahen. So blieb ich für vier Jahren ohne Bücher, und ich habe es so langsam vergessen, wie schön es sein kann, nicht mehr verärgert auf die Verbindungen oder auf die Ende der Pendelstrecke zu warten, sondern in fremden und unglaublichen Welten einzutauchen.

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Ich bin in einer seltsamen Familie groß geworden. Mein Vater ist ein hoffnungsloser Dichter, der neben seiner seelischen Stürme alles für die Erhaltung der Familie als Redaktor einer kleinen christlichen Verlag tut, verdient jedoch nur ein Bruchteil des Verdienstes meiner Mutter, die immer irre laut, lustig und lebendig ist, offiziell Schriftstellerin, inoffiziell Referentin, Moderatorin, Workshop-Leiterin, die durch das Land reist, ihre Familie zusammenhaltet und nachts auf der Terrasse eine eigene Psychiatrie für ihre erwachsene Kinder aufmacht.

Zu meinem Leben gehörte das Buch seit ich lesen konnte. Mein Vater brach mich mit seinem quietschenden Rad zum Bibliothek, woher ich nie weniger als mit fünf Bücher rauskam. Zum Sommer erhielten wir von ihm eine gründlich durchgedachte und zusammengestellte Bücherliste, über den wir zur Ferienende ausführlich erzählen mussten. Beim gemeinsamen Abendessen war die Erwartung, auf die Frage „Wo hast du das Lesen abgebrochen“ nicht mit einem Seitennummer zu antworten, sondern mit einer bildhaften Beschreibung der Geschehenen.

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… UND JETZT

Und jetzt hat sich vor mir das Welt der Bücher nun wieder eröffnet. Ich habe dieses Projekt in der Hoffnung angefangen, dass ich dadurch meine Deutschkenntnisse, und vor allem meinen Ausdrucksfähigkeit verbessern kann. Am Anfang war das Projekt geplant – ein Buch pro Monat, ein Resumé von zwei Seiten pro Monat. Aber die Bücher haben mich eingesaugt. Ich habe diese wunderbaren Welten wieder entdeckt, die hinter jedem Titelblatt etwas anders sind. Etwas, was nicht planbar ist, etwas, was man einfach geschehen lassen muss.

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